Im September und Oktober 2015 war die theaterpädagogische Werkstatt wieder zu Gast in der Grundschule Eversburg. Ein Schauspielerteam aus jeweils einer Frau und einem Mann spielte für die ersten und zweiten Klassen „Die große Nein-Tonne“ und für die dritten und vierten Klassen  „Mein Körper gehört mir!“ in drei Teilen.

"Das will ich aber nicht! Das macht mir Angst! Nein, damit fühle ich mich gar nicht wohl!" Sätze wie diese hören Kinder nur selten aus dem Mund ihrer Eltern und anderer Erwachsener. Und das ist wirklich schade. Denn indem die Großen ihre negativen Emotionen kontrollieren und teilweise sogar ganz verbergen, versäumen sie, den Kleinen den Umgang mit diesen Gefühlen vorzuleben. Aber so entgeht Kindern eine wesentliche Lektion fürs Leben: Nur wer seine Empfindungen wahrnehmen, zulassen und äußern kann, hat die Chance, eine starke und selbstbestimmte Persönlichkeit zu entwickeln.

Das Stück "Die große Nein-Tonne" ermutigt Jungen und Mädchen der ersten und zweiten Klassen ihre Gefühle und Ängste wahrzunehmen, zu äußern und ihnen zu folgen.  Sie sollen in Zukunft laut und deutlich Nein sagen, wenn jemand ihre persönlichen Grenzen überschreitet. Nicht zuletzt deshalb bereitet "Die große Nein-Tonne" Kinder auch auf das Thema Sexuelle Gewalt vor, das in dem Stück „Mein Körper gehört mir!“ für die Dritt und Viertklässler vertieft wird.

"Mein Zimmer, mein Auto, meine Mama!" Schon die Kleinen wissen, was ihnen gehört. "Mein Mund, meine Beine, mein Po?" Kindern wird nur selten beigebracht,  dass sie Besitzansprüche auf ihren Körper haben. Sie wachsen mit körperlicher Nähe auf - und die tut eigentlich immer gut. Aber manche Erwachsene missbrauchen das Vertrauen der Kinder. Und gerade im nahen sozialen Umfeld verschwimmen die Grenzen zwischen Zärtlichkeit und Missbrauch sehr langsam. "Ja, ich mag meinen Onkel. Nein, ich mag nicht, wie er mich gerade anfasst!" Viele Kinder verstummen, wenn sich ihre Ja- und ihre Nein-Gefühle widersprechen.

Sexuelle Gewalt findet vor allem in der Familie und im Bekanntenkreis statt, aber auch im außerfamiliären Umfeld (etwa in der Schule oder im Freizeitbereich). Abgesehen von den Fällen des Exhibitionismus und seltenen spektakulären Gewalttaten sind die Kinder überwiegend mit dem Täter bekannt oder sogar verwandt.

Betroffen von sexueller Gewalt sind Kinder aller sozialer Schichten und aller Altersgruppen, auch Kleinkinder und Säuglinge.

„Mein Körper gehört mir!“ sensibilisiert die Wahrnehmung der Kinder und stärkt ihr Vertrauen in die eigenen Gefühle. Die Spielszenen verdeutlichen, wie wichtig es ist, mit anderen über Nein-Gefühle zu sprechen und sich helfen zu lassen.

„Die große Nein-Tonne“ und „Mein Körper gehört mir“ werden  in der Grundschule Eversburg seit vielen Jahren regelmäßig aufgeführt.

Der Verein Menschen gegen Kindesmissbrauch übernahm  in diesem Jahr die gesamten  Kosten, so dass alle Kinder teilnehmen konnten.Die Aufführungen können nicht gewährleisten, dass Jungen und Mädchen nun vor sexuellem Missbrauch geschützt sind. Sie können allenfalls eine Stärkung und Sensibilisierung der Kinder bewirken.
Kindern, denen dennoch sexuelle Gewalt geschieht, darf deshalb keinesfalls eine Schuld oder Mitschuld zugeschrieben werden. Kinder haben niemals die Verantwortung dafür, wenn ihnen sexuelle Gewalt angetan wird.
Prävention kann sich nicht in einer Theateraufführung erschöpfen. Sinnvolle und wirksame Prävention muss immer auch eine veränderte Erziehungshaltung und einen veränderten Umgang mit den Kindern bedeuten.